Assassins Creed: Unity (PC-Test)
Vorwort
Um das gleich einmal vorweg zu nehmen, ohne jegliche Vorabinformationen zu meiner persönlichen Meinung zu verraten, muss ich sagen, dass Assassin’s Creed zu einer der Reihen gehört, bei denen ich jeden Teil gespielt habe oder noch spiele möchte.
Ich werde daher Unity teils als eigenständiges Spiel und teils als Spiel aus der Reihe zu betrachten.

Story
Man startet als kleiner Junge namens Arno, der seinen Vater begleiten sollte. Kaum das dieser jedoch wichtigen Geschäften nachgehen muss, muss Arno sich damit zufrieden geben, auf einem Stuhl in einem Gang zu warten. An dieser Stelle bekommt er von seinem Vater eine Uhr geschenkt, um selber nachschauen zu können, wie lange er noch auf seinen Vater warten müsse. Da dies für einen kleinen Jungen natürlich viel zu langweilig ist, lässt er sich schnell von dem kleinen Mädchen Elize ablenken. Nachdem sie eine ganze Weile getobt hatten und Arno wieder zurück zu seinem Stuhl geht, hat sich in dem Gang bereits eine Menschenmenge versammelt. Sein Vater wurde ermordet.
Elize und ihr Vater nehmen ihn auf und kaum dass er alt genug ist, wird auch sein Ziehvater vor seinen Augen ermordet. Sofort wird er als Mörder verdächtigt und in die Bastille gesteckt.
Aus dieser kann er mit Hilfe eines seiner Mithäftlingen fliehen.
Es handelt sich hierbei um einen Assassinen, wie Arno kurze Zeit später erfährt.
Bei seiner nächsten Begegnung mit Elize stellt sich nun jedoch heraus, dass sie wiederum eine Templerin ist, was sie beide zu Erzfeinden macht.

Soviel zum Anfang der eigentlichen Storyline. Wie üblich werde ich an dieser Stelle aufhören, um einen Spoiler der weiteren Geschehnisse zu vermeiden.
Was jedoch noch zu erwähnen wäre, ist die Storyumgebung: die französische Revolution.

Gameplay
Um nicht gleich mit den negativen Punkten anzufangen, beginne ich doch lieber mit der Umgebung des Spiels. Den Hauptteil des Spiels verbringt man in Paris. Es gibt zwar noch zwei weitere französische Schauplätze, aber die lass ich hier komplett raus, da sie nur kurz in der eigentlichen Story vorkommen und sehr klein sind, weswegen man sehr wenig durch zu tun hat.
Das Paris zur Zeiten der französischen Revolution ist sehr gut gelungen. Die Atmosphäre stimmt vorne und hinten. An nahezu jeder zweiten Straßenecke begegnet man aufgebrachte Menschenmengen und/oder Barrikaden. Die Straßen sind gut gefüllt von kleineren Händlern, Bürgern, Soldaten oder anderem.
Wie in allen anderen Teilen davor, gibt es hier natürlich auch wieder die Möglichkeit neue Gebiete auf der Karte “freizuschalten”, indem man zu Aussichtspunkten hinauf klettert und diese dann synchronisiert. Ebenfalls übernommen aus alten Teilen, sind die verschiedensten Arten von Sammelobjekten. So kann man überall in der Stadt verstreut Truhen finden, die meistens Geld enthalten. In Unity gibt es dann noch weitere Sammelmarken, die teils unterirdisch teils überirdisch, teils in Fußboden Nähe teils über den höchsten Dächern zu finden sind. In den verschiedensten Häusern gibt es so genannte Artefakte, die optisch gesehen einfach nur Schildwappen sind. Wie üblich dient das Sammeln solcher und aller ähnlichen Objekte nur der Erreichung der 100% Zahl am Ende des Spielstands. Ich habe während des Spielens keine weiteren Vorteile erkennen können, die daraus hervor gehen sollten.
Das Housing-System aus den Vorgängern (Black Flag = Pirateninsel; 3 = Herrenhaus mit “Dorf”) hat auch hier wieder Einzug gehalten. So hat man diesmal ein Café, welches mit speziellen Missionen ausgebaut werden kann und dessen Einnahmen erhöht werden können, indem man weitere Immobilien aufkauft und renoviert. Die gesammelten Einnahmen aus diesen Geschäften werden in einer Kiste hinterlegt, die sich in dem Gebäudekomplex befindet, das Café, Hauptbasis der Pariser Assassinengilde und persönliches Haus beinhaltet.
Kommen wir nun zu den zu bemängelnden Dingen von Unity.
Es gibt ein Problem, dass hatten alle Teile davor auch schon zu bewältigen, eine schreckliche Steuerung. In Unity wurde eine neue Art der Steuerung eingeführt, bei der der Spieler selber entscheiden kann, ob er gerade aus weiter, nach unten oder nach oben klettern wollte. Die Idee dahinter war sicherlich hervorragend, aber die Umsetzung ist leider grauenhaft. Technisch funktioniert es zwar, jedoch ist die ohnehin schon bescheidene Steuerung dadurch nicht wirklich besser, wenn nicht sogar noch schlimmer geworden. Vor allem macht es sich bemerkbar, wenn man schnell hinter jemandem hinterher rennen muss und dieser in eine der engeren Straßen flieht.
Zum nächsten Problem möchte ich noch kurz vorher auf die Waffenauswahl eingehen, da es meines Erachtens nach dazu gehört. Die Waffenauswahl ist natürlich auch in diesem Teil groß. In Unity hat man eine große Auswahl an Waffenkategorien, wie zum Beispiel Einhänder, Zweihänder, Pistolen oder Gewehren. Möglich ist es jedoch logischer Weise nur die Einhänder und Pistolen gleichzeitig ausgerüstet zu haben, da alle anderen Waffenarten beidhändig sind. Solange man sich nicht im Kampf befindet, ist es außerdem möglich die bereits gekauften Waffen auszurüsten oder neue Waffen zu kaufen. So kann man beispielsweise erst mit einem präzisen Gewehr einige Feinde aus der Entfernung ausschalten und dann, vorausgesetzt man wurde noch nicht entdeckt, wechselt man auf das Einhandschwert und man die übrigen Feinde im Nahkampf fertig. Das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Möglichkeit, um verschiedenste Kampftaktiken auszuprobieren. Was mich jedoch daran etwas gestört hatte, das gab es nämlich früher schon und wurde bei Unity völlig rausgenommen, ist, dass die Waffen von besiegten Feinden nicht aufgenommen werden konnten. Es würde dem ganzen deutlich mehr Taktikvielfalt bieten, wenn man feindliche Aggressoren mit ihren eigenen Waffen gegenüber treten könnte. Zumal man dadurch umgehen würde, sich durch das deutlich sichtbar für Konsolen entwickelte Menü zu quälen.
Kommen wir nun zum eigentlichen zweiten Problem, das “realistische” Kampfsystem. Natürlich ist das Kampfsystem von Assassins Creed noch nie sonderlich realistisch gewesen aus den meisten Augen, jedoch sollte man hier nicht vergessen, dass man einen ausgebildeten Profikiller spielt, aus einer Vereinigung von Profikillern, die das schon seit mehreren Jahrhunderten macht. Daher ist es meines Erachtens nach nicht grade unverständlich, warum ein Kampf gegen 5 Gegnern innerhalb von Sekunden vorbei ist. Da dies jedoch die Kämpfe für den Spieler etwas zu einfach macht, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Idee, das Kampfsystem realistischer zu machen, ist hierbei jedoch ,genauso wie die Steuerungsänderung, nach hinten losgegangen. Dadurch, dass die Feinde nun mehr aushalten und man selber gefühlt weniger, ist es umso notwendiger, dass die Bedienung und die Umsetzung perfekt passt. Was ich jedoch mehrmals mitbekommen habe, hat mich nicht gerade selten dazu gebracht, das Spiel zu beenden und erstmal nicht wieder anfassen zu wollen. Da in Unity scheinbar jeder eine Nahkampfwaffe besitzt, ist es verständlich, dass jede Waffe und jeder Königstreuer ebenfalls noch eine Schusswaffe besitzt. Seltsam wird es jedoch, wenn diese einen noch sehen und abschießen können, wenn man bereits um eine Ecke, hinter einer Mauer oder in einer Menschenmenge verschwunden ist. Soviel zu Realismus. Es kam leider zu häufig vor, dass ich gestorben bin, weil mich eine Kugel getroffen hat, die um eine Steinecke hätte fliegen müssen. Ebenso ist mir aufgefallen, dass Rauchgranaten oder Betäubungsgranaten den Feinden im Umkreis teilweise ebenfalls egal waren und mich fröhlich weiter angriffen, was ebenfalls zu oft zum Tod führte. Mal abgesehen von diesem Desaster gibt das Kampfsystem noch mehr Frustgründe. Wäre die Umsetzung des Konters gelungen, wäre es ein spaßiges System. Drücke, wenn der Balken über dem Feind gelb wird. Nun gibt es aber das Problem, dass der Balken erstens nicht immer gelb wird und manchmal nur ein Bruchteil gelb ist. Desweiteren kam es häufig vor, dass Arno gar nicht auf die Idee kam zu blocken, auch wenn ich die entsprechende Taste rechtzeitig gedrückt hatte. Daher ist das Kampfsystem eine zweite sinnlose Veränderung gewesen, die in der Assassins Creed Reihe nicht sein muss.
Meine letzte Anmerkung an den Problemen im Gameplay liegen in der Masse an Nebenaufträgen. Es ist zwar schön, wenn man genügend zu tun hat abseits der Haupthandlung. Es sind auch nett inszenierte Pariser Geschichten dabei. Jedoch wird es sehr schnell eintönig und andere Nebenaufträge handeln auch immer von ähnlichen Dingen. Töte Person X, stehle von Person X oder verteidige Person X. Es ist immer das gleiche und immer ist es recht schnell getan. Da hatten sich die Vorgänger deutlich besser ins Zeug gelegt. Natürlich waren die Quests dort auch schon ähnlich aufgebaut, jedoch konnte man in Black Flag bei einer Attentatsmission darauf gefasst sein, dass man eine kleine Insel mit Wachpersonal vorfindet, während man in Unity einen Typen töten muss, der einsam und völlig abwesend durch menschenleere Gassen streift. Ein anfangs nettes Gimmick sind die Gruppenereignisse. Diese tauchen spontan in der Umgebung von Arno auf, behandeln jedoch ebenfalls nur die Aufgabentypen “Töte sie!”, “Verscheuche sie!” oder “Ramme sie!”. Es ist zwar recht nett sowas, allerdings wird es in Unity so massiv zur Verfügung gestellt, dass es allerhöchstens als Zeitschindung zu verstehen ist, um eine höhere Spielzeit zu erreichen.
Da in Unity der Koop offenbar sehr hervorgehoben wurde, ist es verständlich, dass dieser in Game häufig zu finden ist. Ich selber habe jedoch diesen nicht ausprobiert, stell es mir jedoch sehr unterhaltsam vor, wenn man mit Freunden solche Missionen spielt. Was mich dabei jedoch etwas genervt hat, war, dass man keine Chance hatte, diese Quests auszublenden. So ploppen ständig die Koopquests auf, auch wenn man überhaupt nicht im Koop spielen möchte...

Technik
Eine große Detailreichheit sorgt für stimmungsvolle Atmosphäre in punkto Grafik. Die Texturen von Boden, Wänden, Kleidungsstücken und Personen sind nahezu makellos, wenn man diese mit ähnlichen Spielen vergleicht, die ungefähr zur selben Zeit herausgekommen sind. Grafikfehler sind mir während der Spielzeit keine aufgefallen, daher möchte ich auf diesen Unterpunkt kaum weiter eingehen.
Bei der Physik sind mir dagegen jede Menge Fehler aufgefallen, doch zunächst einmal die üblichen Verdächtigen und positive Aspekte der Assassins Creed Reihe. Wie unrealistisch manche Sprünge sind, brauche ich, denke ich mal, nicht zu erwähnen. Bleiben wir jedoch bei der Steuerung. Häufig ist die Umsetzung der Steuerung ein Grauen, wie oben bereits beschrieben. Befindet man sich beispielsweise auf einem Aussichtspunkt und möchte mit Shift+W+E nach unten in einen Strohhaufen springen, dann klappte dies zwar die meiste Zeit, jedoch kam es auch leider zu häufig vor, dass er lieber Schritt für Schritt herunter klettern wollte. Dieses Problem ist jedoch eher als Meckern auf höchstem Niveau zu verstehen.
Kommen wir dann zu den eigentlichen Mysterien. Die Physik sieht in fast alles Teilen des Spiels wirklich gut aus und fühlt sich realistisch an. Jedoch sind die Todesanimationen etwas merkwürdig. Wobei diese bei Feinden realistisch rüber kommen, jedoch bei Arno direkt sehen sie sehr merkwürdig an. So sackt dieser jedes mal nur zusammen, ohne die Gesetze der Physik zu berücksichtigen. Die meisten Todesanimationen würden dafür sorgen, dass Arno zur Seite oder nach hinten fallen müsste, jedoch sacken die Beine einfach ein, sobald die eigentlichen Animation abgeschlossen ist. Des Weiteren ist mir häufig aufgefallen, dass tote Körper und Waffen in den Wänden stecken bleiben und anfangen wild zu wackeln. Im eigentlichen Spielfluss fällt so etwas kaum auf, jedoch wenn man es bemerkt, dann ist es durch aus nervig.

Fazit
Unity sorgt zwar für eine gute Stimmung durch seine Umgebung und die Grafik, hat jedoch einige Probleme, die den Spielspaß mindern können. Wer ein Fan der Reihe ist, dürfte ziemlich enttäuscht sein von diesem Teil der Reihe. Wer als Neuling in die Assassins Creed Reihe eintauchen will, sollte sich vielleicht lieber einen anderen Teil suchen, um sich nicht eine so gute Reihe zu versauen. Unity ist definitiv das schlechteste Spiel der Reihe bisher. Hoffentlich sorgen nach folgende Teile wieder für mehr andauernden Spielspaß.